Animal Hoarding

Der englische Begriff "Animal Hoarding" bezeichnet die krankhafte Sucht, Tiere zu horten und zu sammeln. Diese psychische Störung bei Menschen führt zu Haltungsbedingungen, die alle Standards der Tierhaltung unterschreiten.

Animal Hoarding führt in aller Regel dazu, dass es an Futter, Wasser, Hygiene, Pflege und tierärztlicher Versorgung für die Tiere fehlt. Die Tierhorter sind nicht in der Lage, diese Missstände zu erkennen und zu beseitigen. In späten Stadien kommt es zu einer völligen Verwahrlosung des Tierbestandes.

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Animal Hoarding- Die Sucht Tiere zu sammeln
Broschüre des Deutschen Tierschutzbund e.V.
Animal_Hoarding_Die_Sucht_Tiere_zu_samme
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 Typen (ohne eindeutige Abgrenzung):

  • Der Pfleger-Typ lebt meist isoliert. Er sammelt nicht aktiv Tiere, nimmt aber jedes Tier auf, das er aufgreift oder das bei ihm abgegeben wird. Diese Menschen verlieren oft selbst die Kontrolle über ihre eigenen Lebensverhältnisse. So verwahrlosen die Tiere immer mehr und ihre Vermehrung gerät außer Kontrolle. Bei diesem Typ bestehen Möglichkeiten zu Einsicht und Therapie.
  • Der Retter-Typ ist überzeugt davon, dass es seine Mission ist, Tiere zu retten. Er ist im Glauben, dass es den Tieren nur bei ihm gut geht. Infolge der unbegrenzten Aufnahme immer neuer Tiere verliert er den Überblick. Ihre Anzahl überschreitet schließlich die Versorgungsmöglichkeiten. Veterinäramtliche Weisungen befolgt er nicht und wird in der Regel wieder rückfällig.
  • Der problematischste Typ ist der Ausbeuter-Typ. Er schafft sich Tiere ausschließlich aus eigennützigen Zwecken an, züchtet sie kaum kontrolliert (zum Verkauf) und versteht sich darauf, den Behörden etwas vorzumachen. Er hortet die Tiere aktiv und hat kein Schuldbewusstsein.

 Untersuchungen zeigen:

  • Das Problem ist durch Auflagen des Veterinäramtes, Bußgelder, Tierzahlbegrenzung, Beschlagnahmen und auch durch Tierhalteverbote ohne Therapie des Horters nicht lösbar.
  • Mehr als zwei Drittel der Animal Hoarder sind Frauen.
  • Fast die Hälfte der Betroffenen sind über 60 Jahre alt.
  • Bei 80% in einer Studie erfassten Fälle gehörten kranke und tote Tiere zum Bestand.
  • 60% der kranken Tiersammler nehmen das Problem nicht wahr.
  • Ohne Therapie liegt die Rückfallwahrscheinlichkeit nach Wegnahme der Tiere bei fast 100%.

Die Schäden für die Tiere, die bei einem Tierhorter leben müssen, sind meist erheblich. Für Tierheime entstehen bei den Auflösungen solcher Tierhaltungen aufgrund der oft sehr großen Anzahl und zudem vernachlässigten und verwahrlosten Tiere  große logistische und finanzielle Probleme .

 

Was Sie tun können:

Bitte schauen Sie nicht weg, wenn Sie Anzeichen von Animal Hoarding erkennen! Verständigen Sie in Verdachtsfällen das Veterinäramt, einen Tierarzt oder den Tierschutzverein. Schnelles Handeln ist dabei geboten!

 

Sowohl die Tiere als auch die Menschen brauchen dringend Hilfe!

Die betroffenen Menschen brauchen psychotherapeutische Behandlung! Die eigene Logik aus Rechtfertigungs-, Verleugnungs- und Entschuldigungsstragien muss durchbrochen und widerlegt werden.

Quelle: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK 2015