Neue Rassen- (nicht) immer ein Gewinn?

Was ist überhaupt eine Rasse?

Rassen sind Populationen einer Art, die sich in ihrem Genbestand (Allelenbestand, Genpool) und damit auch in ihrer Merkmalsausprägung (phänotypisch) von anderen Populationen derselben Art (Spezies) in einem Ausmaß unterscheiden, das eine taxonomische Abtrennung (und damit Belegung mit einem eigenen Rassennamen = Trinomen, Nomenklatur) rechtfertigt.

 

Kulturrassen, vom Menschen durch künstliche Selektion gezüchtete Haustier- und Pflanzenrassen (Tierzucht, Pflanzenzüchtung). Sie sind auf bestimmte Wildarten als Stammarten zurückzuführen, mit denen sie oft noch fruchtbar kreuzbar (Kreuzung) sind.

(Spektrum Akademischer Verlag, 2001)


"Alte Rassen"

Lange Zeit wurden nur wenige "Rassen" gezüchtet, von denen neben der Siamkatze wohl die Perserkatze die  bekannteste Vertreterin ist. Ihre Geschichte reicht weit zurück, bis zu den frühen "Angorakatzen" welcher sich der Adel hielt. Noch 1987 war die Perserkatze mit 71% die verbreitetste Rasse überhaupt. (Wegner 1995)

In den letzten Jahrzehnten hat speziell diese Rasse einen beispiellosen Niedergang erlebt, wobei sie regional dann doch noch gut präsent sein kann. Es gibt heute jedoch Ausstellungen, wo diese Rasse nicht mehr vertreten ist! Ihre aufwändige Fellpflege, Extemzucht (peke face) und ein angestaubtes Image haben sie an den Rand der Existenz geführt. Nicht viel anders ist es auch der Siamkatze ergangen.

Ersetzt haben diese alten Rassen "neue Rassen", von denen wohl die Maine Coon schon geraume Zeit die Spitzenposition bezüglich Popularität besetzt.

"Natur-Rassen"

Der Ursprung von "Naturrassen" liegt oft in abgegrenzten Populationen, die sich durch besondere Merkmale auszeichneten.Geformt wurden diese durch den vorhandenen Genbestand,  die Umwelt und ggf, durch Bevorzugung durch den Menschen was die Vermehrung betrifft. Es ist aber noch nicht als Zucht zu verstehen, wenn der Bauer das schönste Kätzchen behält und den Rest "entsorgt".

Die vor Ort oftmals als normale Hauskatzen betrachteten „Typen“, wurden durch eine Beschreibung der Merkmale (einen Standard), durch die Aufnahme systematischer Zucht und durch ein definiertes Anerkennungsverfahren zur „Rasse“. Dazu gehört als sehr populäre Rasse z.B. die Maine Coon.

Mutationen

Viele Rassen beruhen auf einem besonderen Merkmal, welches durch Mutation entstand. Auch die Perserkatze gehört mit ihrem Langhaar-Gen dazu. Im Grunde beruhen viele der augenfälligen Veränderungen der Wildform (Falbkate) auf Mutationen. Von den Fellfarben angefangen bis zum Stummelschwanz. Der verbleibende "Rest" an Veränderung wurde durch Selektion mittels Zucht oder durch Umwelteinflüsse erreicht.

"Neue" Rassen dieser Gruppe sind beispielsweise die Nacktkatzen, deren Haarverlust auf einer Mutationen beruht. Damit aber aus einer "Mutante" eine Rasse wird, gehört viel Glück dazu, den die Mutation muss erkannt werden, es muss sich ein engagierter, kenntnisreicher Züchter finden, der die Mutation "fixiert" und es müssen sich Liebhaber finden, die Interesse an der neuen Rasse haben. Zudem darf die Mutation keine gravierend negativen Auswirkungen haben. Aus der Mexican Hairless wurde z.B. keine Rasse. Vielleicht waren die Katzenliebhaber noch nicht bereit für nackte Katzen.

Kombinationen

Manche Rassen entstanden durch die Kombination von Merkmalen anderer Rassen. Eine alte "Kombinationsrasse" sind die Tonkanesen, die leider selten geworden sind.

Bei den "neuen Rassen" dieser Gruppe dreht es sich in etwa immer um das Gleiche. Kombinationen von Haarlos, speziellen Ohren, kurze Beine, langes Haar, gelocktes Haar. Nicht zu unrecht unter diesen Rassen auch die umstrittensten Rassen zu finden, denn schon die Ausgangsrassen sind aus Tierschutzgründen oft nicht unproblematisch.

Von der züchterischen Kompetenz ist es um ein vielfaches einfacher Mutationen zu kombinieren - dazu muss man nur ein wenig von Mendel gelernt haben - als eine neue Mutation zu fixieren.

 

Reflektion

Niemals zuvor, als wie in den letzten 10-20 Jahren, wurden so viele Rassen von den Dachverbänden anerkannt. Ist das sinnvoll? Nicht immer und nicht unbedingt. Teilweise wurden durch die Moderassen die "alten" Rassen wie Perser und Siam stark reduziert. Jede Rasse braucht jedoch eine ausreichend große Anzahl an Tieren um eine Zuchtbasis zu haben. Eine Basis, die heute so manche neue Rasse nie erreicht.

Der Boom der neuen Rassen hat auch neue Typen von Züchtern hervorgebracht. Fortsetzung folgt

 

Autor T. Eckhardt