Farbfehler & Fehlfarben

Kann diese bunte Katze ein Kater sein?

Nun ja, ob eine Katze "schwarz", "rot" oder beides ist, entscheidet sich auf dem X-Chromosomen. Da Kater dieses nur einmal haben, können sie eigentlich nur "schwarz" oder "rot" sein. Trotzdem tauchen auf Ausstellungen immer wider einmal Kater auf, welche eindeutig  "schwarz" und "rot" sind, also "Tortie-Kater" sind.


Was ist passiert?

Nun ja, bei den Genen (nicht genetisch im Sinne von Mutation!) ist da etwas schief gegangen. Bei diesen Katern in schwarz und rot liegt ein überzähliges X-Chromosomen vor; es handelt sich also um eine numerisches Chromosomenaberration.

Diese Kombination von XXY bezeichnet das Klinefelter-Syndrom, welches auch bei Menschen vorkommt. Die Ursache liegt in einer Störung der Meiose der Fortpflanzungszellen. Dass mit den überzähligen Chromosomen kennen viele von ihnen sicher auch als Down-Syndrom, wo das Chromosomen 21 überzählig ist, weshalb dieses Syndrom auch  Trisomie 21 gennat wird.

 

Ist der Kater potent?

In der Veterinärmedizinischen Fachliteratur wird davon ausgegangen, dass diese Kater nicht zeugungsfähig und wegen eines Testosteronmangels vielleicht auch gar nicht zeugungswillig sind. Vielleicht liegt hierin auch eine Erklärung für manchen Kater, der nicht deckt. Klinefelter-Kader müssen ja nicht tortie sein.

Aus der Praxis wird jedoch sehr wohl auch von zeugungsfähigen Tortie-Katern berichtet. So ist der auf dem Bild gezeigte Kater ein Zuchtkater der Cattery Dar es Salaam.

Beim Menschen hat das Klinefelter-Syndrom weitere gesundheitliche Auswirkungen. Wie sich dies bei Katzen verhält, muss mit dem Tierarzt im Einzelfall besprochen werden.

 

Wie wird ein Tortie*-Kater gerichtet?

Da Farbbeschreibungen unabhängig vom Geschlecht sind, wird der Kater ganz normal gerichtet. Ist der Kater zeugungsfähig, kann man die Farben wir bei einer normalen Tortie-Kombination erwarten. Die Farb- bezeichungen hat also auch genetisch ihre Berechtigung.

(*Die Farbbezeichnungen sind Beispiele und stehen für alle in Frage kommenden Kombinationen)


Ist das auch ein Tortie-Kater?

Obwohl auch dieser Kater offensichtlich nicht nur rot ist, fällt auf,  dass er nicht die gleiche Farbverteilung wie ein tortie Kater oder Katze hat.

Tatsächlich handelt es sich um eine (seltene)  "Chimäre". Dabei handelt es sich um ein Lebewesen, das aus Zellen verschiedener genetischer Herkunft besteht."

 

Was ist passiert?

In der embryonalen Entwicklung sind in einem frühen Stadium  zwei unabhängige Zellhaufen verschmolzen und haben sich dann zu einem Lebewesen ausdifferenziert. Im Klartext besteht dieser Kater sowohl aus "seinen" Zellen,  wie auch aus Zellen eines Geschwister.

 

Ist der Kater potent?

Bezogen auf die Potenz ist dieser Kater nicht beeinträchtigt. Er wird wie ein roter Kater vererben.

 

Wie wird ein Chimäre gerichtet?

Es ist ein Farbfehler und gibt Punktabzüge. Einerseits liegt hier nicht die Farbverteilung für tortie vor und auch die Farbe des Beins ist z.B. nicht eindeutig. Es könnte auch Blau sein.  Zudem wird der Kater wie rot vererben. Um die Korrektheit des Stammbaums seiner Kitten zu wahren, ist dieser Kater gemäß seiner Genetik (Vererbung, Genotyp) zu klassifizieren - also rot- und so auch zu richten.

 


Was tun bei Medaillon bzw. Kehlfleck?

Relativ häufig werden Katzen mit Medaillon bzw. Kehlfleck oder kleinen weißen Flecken an Brust Bauch oder Zehen vorgestellt, was immer wieder zu Fragezeichen in den Gesichtern und vielen Diskussionen sorgt.

 

Eine Katze ohne Weißscheckung ist eben nicht immer ohne Weiß!

 

Oft wird angenommen, dass diese Flecken etwas mit den Genen zu tun haben müssen. Als Züchter und Richter sollten wir uns aber daran erinnern, dass der Phänotyp das Erscheinungsbild (morphologischen und physiologischen Eigenschaften) eines Organismus ist, unabhängig davon, ob sie vererbt oder erworben wurden. Selbst bei den Fellfarben darf deshalb nicht die Möglichkeit außer Acht gelassen werden, dass es sich auch um eine erworbene Eigenschaft handeln kann!

Bei diesen weißen Flecken handelt sich - mit einiger Wahrscheinlichkeit, denn ganz geklärt ist es nicht-  um eine erworbene Störung der normalen Haut- bzw. Fellfärbung.

Ein Vererbungsmuster - welches sich ja in Wahrscheinlichkeiten des Auftretens eines Merkmals bei den Nachkommen zeigt (dominant, rezessiv usw.) - konnte bislang für diese weißen Flecken nicht festgestellt werden.

 

Katzen mit diesen Flecken werden oft als Weissscheckung (SS/Ss) klassifiziert. Aber so viele Generationen von Katzen mit diesen Flecken man auch verpaart, es wird nie ein "richtiges" Scheckungsweiss ergeben. ,

 

Was ist passiert?

Roland Fahlisch, Diplombiologe und Genetiker zeigt nachvollziehbar auf, dass es sich bei diesen Flecken wahrscheinlich um einen Fehler in der embryonalen Entwicklung  handelt.  Durch eine Störung (ggf. der Signalübermittlung) hört die Teilungstätigkeit der Melanoblasten auf, bevor die ganze Körperoberfläche lückenlos mit Melanozyten besetzt ist.

In Frage käme noch eine Immunreaktion gegen die körpereigenen Zellen, die das Melanin produzieren, was jedoch durch die Häufigkeit - bei der europäischen Wildkatze gehört der Kehlfleck z.B. zur Beschreibung – und die fehlenden Begleitumstände eher nicht anzunehmen ist.

Wie wird ein e Katze mit Kehlfleck und co gerichtet?

Die Katze ist als ohne Weiss zu richten, der Kehlfleck ist ein Farbfehler. Das Ändern der Farbe auf dem Richterbericht ist nicht sinnvoll, weil diese Angabe nicht dem Genotyp entspricht und somit der Stammbaum falsch wäre. Es gibt jedoch keinen Grund diese Tiere von der Zucht gänzlich auszuschließen.

Autor: Tino Eckhardt